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Volksfestauftakt ohne Frühling

Besucher und Schausteller trotzen der Kälte — Zum Aufwärmen in die Zelte

Spaß muss sein: Ben Hagmann, Lisa Bach, Anna Hagmann und Anita Hofmeister (li. Bild, v.li.n.re.) nach der Tour durch das „Lachhaus“. Auf zur zweiten Runde:  Klaus Schwarzmann, Andrea und Tobias Zitzmann mit Timo und Nico (re. Bild, v.l.n.re.).

Spaß muss sein: Ben Hagmann, Lisa Bach, Anna Hagmann und Anita Hofmeister (li. Bild, v.li.n.re.) nach der Tour durch das „Lachhaus“. Auf zur zweiten Runde: Klaus Schwarzmann, Andrea und Tobias Zitzmann mit Timo und Nico (re. Bild, v.l.n.re.).


Zum „Mitarbeiter des Monats“ ernannte eine Budenbesitzerin kurzerhand ihren Wärmestrahler. Ein Kollege verlängerte die Glühweinsaison. Der gefragteste Mann dürfte am Wochenende ein Installateur gewesen sein: Reihenweise hatten Schausteller in ihren Wohnwagen, die nach Monaten in schützenden Garagen erstmals wieder im Freien geparkt sind, Probleme mit platzenden Wasserleitungen. Und statt „Rund um den Tegernsee“, so der Name eines Karussells, zu gondeln, könne man demnächst eher Schlittschuhlaufen.

Zehn Minuten „gefangen“

Nicht nur vor Kälte geschlottert haben dürften am Sonntag allerdings auch etwa 15 „Astronauten“ im Fahrgeschäft „Rakete“. In etwa 25 Metern Höhe, so berichten es Augenzeugen, seien die Gefährte plötzlich ins Stocken geraten. Die gut angeschnallten Passagiere durchlebten zehn mehr oder weniger bange Minuten, bis es dem Betreiber gelang, die Maschinerie wieder in Gang zu setzen und eine sichere Landung zu ermöglichen. Verletzt wurde niemand — alle Raumfahrer erhielten ihr Geld zurück.

Erstmals in Nürnberg: das Fahrgeschäft „Rakete“ — hier beim Aufstieg der sich drehenden Gefährte über dem „Lach- und Freuhaus“.

Erstmals in Nürnberg: das Fahrgeschäft „Rakete“ — hier beim Aufstieg der sich drehenden Gefährte über dem „Lach- und Freuhaus“. © Roland Fengler


Gut aushalten ließ es sich dagegen in den überwiegend geschlossenen Kabinen des Riesenrads „Expo Star“. Es steht diesmal am südöstlichen Zipfel des Platzes; der Rundblick aus luftiger Höhe reicht über den Platz bis zur Burg und auf der anderen Seite bis zur Fränkischen Alb.

Vielleicht beflügelt von einem „Raketen“-Tripp und einer Runde Autoscooter hatte Max, ein Junge aus Bamberg, auf Anhieb Erfolg an einer Schießbude und sammelte Gewinnpunkte. Zwar läuft gerade auch in der Domstadt ein Volksfest. Aber das Nürnberger biete eben doch mehr, meint seine Betreuerin Bettina Krug. „Als wir losgefahren sind, war der Himmel noch ganz blau.“ Dass es nicht dabei blieb, nahmen die beiden gelassen. „Es ist angenehmer, wenn es nicht ganz so voll ist.“

Mit amerikanischen Freunden zog Lisa Bach aus Regensburg über den Platz. „Einfach mal schauen“ hatten sie sich vorgenommen. Doch dabei blieb es nicht. „Es war wirklich lustig, so etwas kannten wir noch nicht“, meinten Ben und Anna Hagmann nach einer Tour durch das „Lach- und Freuhaus“. Buchstäblich zum Kugeln fanden sie das letzte Hindernis: Beim Weg durch eine Drehtrommel verliert fast jeder einmal das Gleichgewicht.

Gespannt auf neue Entdeckungen waren Timo (9) und Nico (13), die mit ihren Eltern aus der Nähe von Gräfenberg gekommen waren. Das Nürnberger Volksfest hat für sie — neben dem Forchheimer Anna- oder dem Münchener Oktoberfest — einen sicheren Platz im Kalender. Diesmal haben sie es schon zweimal an den Dutzendteich geschafft, erst zur Eröffnung, dann noch einmal speziell für die Kinder.

Auf zur zweiten Runde: Klaus Schwarzmann, Andrea und Tobias Zitsmann mit Timo und Nico

Auf zur zweiten Runde: Klaus Schwarzmann, Andrea und Tobias Zitsmann mit Timo und Nico © Roland Fengler


Als echter Renner erwiesen sich gleich zum Start die luft- und wasserdichten Ballons, in denen Kinder auf einem Wasserbassin herumhopsen und -toben können. Eigentlich sollen sie darin laufen – wie der Name „Beach walking“ andeutet. Doch das gelingt den wenigsten. Händeringend sucht die Inhaberin jetzt bereits weitere Helfer, um den Ansturm zu bewältigen. „Natürlich gibt es bei diesem Wetter Gewinner und Verlierer“, zieht Lorenz Kalb, der Vorsitzende des Schaustellerverbands, Bilanz für das Osterwochenende.

Viele leere Plätze in Karussells

Über mangelnde Gäste dürfen jedenfalls die Zeltwirte nicht klagen — vor allem bei den Hax’n- und Hendl-Bratern verbreiteten die Grillöfen gemütliche Wärme. Dagegen war es vielen für eine Runde in Fahrgeschäften wie „Cyber Space“, „Eclipse“ oder der Wildwasserbahn einfach zu frisch — von der Lust auf ein Eis ganz abgesehen. Als am Sonntag auch noch Schneeflocken über den Platz trieben, hätte Kalb „jedem Besucher am liebsten persönlich die Hand geschüttelt“.

Auf wenigstens „ein paar Plusgrade“ hoffen die Schausteller für die kommenden Tage. Heute locken sie mit einem Sonderverkauf ihres Jahreskrugs in allen Gastrobetrieben — so lange der Vorrat reicht.
 

WOLFGANG HEILIG-ACHNECK

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